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  • lutzland 13:26 am 8. August 2010 Permalink | Antworten
    Tags: Bastian Hirsch, Berlin, Christian Spannagel, Margret Rasfeld   

    Remember Berlin? 

    Die Älteren unter euch werden sich noch erinnern: Bald ist es ein Jahr her, daß die Bildungsreporter ihre Laptops, Kameras und Wanderschuhe einpackten, um sich auf die legendäre Bildungsexpedition durch Deutschland zu machen.

    Lassen wir die Frage mal beiseite, was sich seitdem in Sachen Schule & Deutschland zum Positiven hin verändert hat (ein Highlight: Dr. Christian Spannagel ist inzwischen Professor geworden, wir gratulieren!) und begeben uns mal kurz nach Berlin, wo wir in der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum mit Schülern und der Direktorin Margret Rasfeld ein ausführliches Interview machten.

    Besagte Frau Rasfeld hat sich in der letzten Ausgabe von chrismon (liegt meinem ZEIT-Abonnement bei) ausführlich mit dem Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger unterhalten (Margret Rasfeld – Thomas Sattelberger: Kind, aus dir wird was!), worauf ich hier und heute mit einer gewissen evolutionären Dringlichkeit kurz verweisen möchte.

    Ansonsten, spontaner Rückblick: Basti Hirsch, alias cervus, hat sich in Sachen Bildungsreporter geradezu granatenmässig entwickelt, man verzeihe mir den paramilitärischen Vergleich,  und seine Tweets seien jedem Bildungsbürger nachdrücklich ans Herz gelegt. Abgesehen davon vermisse ich die hochsommerlichen Temperaturen vom letzten Jahr, aber (und das gilt auch für Bildung in Deutschland) es kann ja noch werden …

     
    • cspannagel 15:21 am 8. August 2010 Permalink | Antworten

      Danke für die Glückwünsche. :-)

      Es gab übrigens bestimmt auch noch (!) unvorteilhaftere Bilder… :-) )

  • Herr Larbig 01:14 am 7. June 2010 Permalink | Antworten  

    Die Frage der Leerstellen in Lern- und Bildungsprozessen 

    Leerstellen sind es, die Menschen neugierig machen und auf den Weg schicken, sich Wissen zu schaffen und Welt zu entdecken. Problemorientierung ist an dieser Stelle oft das Zauberwort, mit dem Ziel, dass Menschen nicht nur mit beiden Beinen im Leben stehen, sondern mit beiden Beinen durch das Leben gehen.

    An dieser Stelle als Pocastfolge ein paar Gedanken zum Thema Leerstellen in Lern- und Bildungsprozessen:

    Listen!

     
  • inablogpaten 21:39 am 25. May 2010 Permalink | Antworten
    Tags: Dialog fördern, Inklusion, Nischenthema   

    Das Internet in Nischen tragen 

    und gleichzeitig Nischenthemen mit Hilfe des Internets aus ihrem Schattendasein heraus holen, das ist das Anliegen der Initiative nischenThema.de.

    Mit dieser Idee im Hinterkopf bin ich im April zu Frau Knobloch nach Dresden gefahren. Der Kontakt zu Frau Erika Knobloch aus Dresden ist bereits im vergangenen Jahr über die Veröffentlichung einiger Artikel aus dem Tagebuch “52 Dienstage” entstanden, dessen Herausgeber der Verein Lebendiger leben! e.V. ist. Wir haben damals, mit Unterstützung der Blogpaten, einige Artikel aus diesem Tagebuch in verschiedenen Blogs im Internet publiziert. Frau Erika Knobloch hat uns auch nach diesem ersten Beitrag weitere Artikel per Post zugeschickt – sie verfügt über keinen eigenen Internetanschluss – die wir in ihrem Namen und mit ihrem Einverständnis auf der offenen Plattform online stellen.

    Sobald es Kommentare gibt, teilen wir dies Frau Knobloch telefonisch mit. Sie selbst besucht gelegentlich ein Internet-Café, um auf die Kommentare im Blog zu antworten. Ebenso wird sie von Ihrer Tochter darin unterstützt, mit uns in regelmäßigem E-Mail-Kontakt zu bleiben. Frau Knobloch hat ein konkretes Anliegen und bereits am 22. März 2010 einen offenen Brief an die Geschäftsleitung des Sozialverbandes Dresden geschrieben, in dem sie erneut um eine Parkerleichterung bittet, die ihr zu deutlich mehr Lebensqualität verhelfen würde. Ihre Anträge werden seit 1999 (!?) immer wieder abgelehnt. In folgendem kurzen Video, dass ich mit ihr aufgenommen habe, beschreibt sie ihre Situation:

    Bei meinem Besuch in Dresden konnte ich Frau Knobloch die Möglichkeiten der Vernetzung im Internet zeigen und ihre Fragen dazu beantworten. Via Twitter kamen spontan erste Grüße und Kommentare.

    Erfreulich: Unmittelbar nach der Veröffentlichung und Verbreitung ihres offenen Briefes im Internet, stellten sich erste Erfolge in Sachen Parkerleichterung ein. Frau Knobloch hat mir anschließend telefonisch mitgeteilt, dass sie nun zumindest die orangene Parkkarte bekommt. Allerdings berechtigt dieser Ausweis NICHT zum Parken auf einem Behindertenparkplatz, was für sie aber enorm wichtig wäre.

    Was hat das mit Bildung zu tun, werden sich vielleicht einige fragen, denn solche Treffen finden weder an einer Uni noch in einem Workshop oder auf einem Barcamp statt.

    Ich finde es einfach enorm wichtig, hier mit praxisnahen niedrigschwelligen Bildungsangeboten eine Lücke zu schließen und auch jene zu erreichen, für die der Besuch eines Workshops wenig geeignet ist und auch nicht zum Erfolg führen würde.

    Enorm wichtig ist es, einem Personenkreis, der wenig weberfahren ist, vor jeder Aktion immer erst die Möglichkeiten des Publizierens im Internet zu zeigen. Was heißt es unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen. Worauf muss ich achten? Welche Rolle spielen Suchmaschinen. Welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich anonymisiert ins Web schreiben möchte? Wo befindet sich ein Video im Internet? Was bedeutet es, dass jeder dieses Video in seinem Blog einbinden und verbreiten kann. Wie spreche ich Personen an, die auf meinen Beitrag kommentieren? (Hier irritiert manchmal die persönliche Du-Form.) Was ist Twitter? Was ist Facebook?

    Gibt es bereits ein Thema – wie hier ein konkretes Anliegen und das Bedürfnis gegenüber Behörden Druck zu machen – wird Web2.0 eher spielerisch und nebenbei erfahren. Es hat sich gezeigt: auf viele technische Begriffe kann man dann beim Erklären verzichten.

     
    • Brigitte Reiser 02:50 am 29. Mai 2010 Permalink | Antworten

      Ich finde diese zugehende Form von Bildung, die Menschen direkt aufsucht, die sich ansonsten nicht zu einem Kurs einschreiben würden, sehr wichtig. Gerade auch, wenn es um die digitale Inklusion bzw. um Wege ins Netz geht. Speziell gemeinnützige Organisationen, die sehr häufig Zugang zu schwer erreichbaren Gruppen haben, sollten diese Chance auch stärker zur Bildungsarbeit nutzen. Es muss darum gehen, Menschen nicht nur soziale Dienstleistungen zu erbringen, sondern ihnen Teilhabemöglichkeiten zu eröffnen. Aus Klienten müssen Bürger werden, – auch durch die Wahrnahme von Partizipationschancen, die das Internet eröffnet.

    • Ingmar Redel 20:26 am 2. Juni 2010 Permalink | Antworten

      Es ist toll den Menschen die noch nicht im Netz zuhause sind das Web persönlich zu erklären und die Potentiale aufzuzeigen. Gerade viele ältere Menschen werden sonst nie einen Zugang zu diesem Medium erfahren. Die Schule ist vorbei für sie, Volkshochschulkurse sind meist ebenfalls nicht mehr in Reichweite, bleibt nur noch Fernsehen oder Zeitungen – oder eben am besten ganz persönlich mit den Menschen reden, es ihnen erklären, ihnen zeigen das sie sich vom Internet nicht ausgegrenzt fühlen müssen.

      Wie Brigitte es schrieb, geht es insbesondere um Beteiligung. Im Gegensatz zu TV oder Zeitungen ist das Internet nicht nur uni-direktional, sondern multi-direktional. So kann ein Mensch mit einem Anliegen schnell die herkömmlichen Hürden überwinden und mit Menschen unabhängig vom eigenen physikalischen Standort in Dialog kommen und darüber im besten Falle auch Unterstützung erhalten durch Netzwerkeffekte und die Schaffung von Aufmerksamkeit für ein Thema.

  • Herr Larbig 02:02 am 9. May 2010 Permalink | Antworten  

    Kommunikation im Web 2.0 – oder: Kommunikations-Overkill? 

    In Bildungs„räumen“ wird das Web 2.0 in vielen Fällen als eine große Chance angesehen. Zu Recht, finde ich. Aber das Netz kann schnell auch zu einem Schmarotzer werden, der mehr Energien absaugt als dass er an Informationsgewinn zu bieten vermag. Wie aber kann ein Weg zwischen Kommunikations-Overkill und angemessenem Umgang mit Web 2.0-Tools aussehen? Hier ein Vorschlag:

    Listen!

    Der in diesem Audiobeitrag angesprochene Text, der in manchen Punkten etwas ausführlicher ist, findet sich in meinem Blog.

     
  • cspannagel 18:28 am 28. April 2010 Permalink | Antworten
    Tags: studiengebuehren, tazlab   

    Studiengebühren: Der Schlagabtausch 

    Beim tazlab am Samstag ging’s ab: In der ersten Session, an der ich teilgenommen habe, wurde das Thema Studiengebühren unter dem Titel Privilegien gratis – Wie (un)gerecht ist die  Campus-Maut? diskutiert. Diskutiert? Es war ein heißer Schlagabtausch! Grund genug, ihn hier nochmals aufzugreifen und weiterzuführen. Die Bildungsreporter präsentieren: Christian Füller vs. Anne Grabs. Lasst die Löwen frei!

    Christian Füller begins:

    Ja zu befristeten Studiengebühren!

    Die jüngste Sozialerhebung des Studentenwerks ist eine bittere Pille für die Studentenfunktionäre. Jahrelang haben sie der Republik weissmachen wollen, dass die Campusmaut, erstens, den Run auf die Hochschulen abbremsen wird und, zweitens, die Arnbeiterkinder in Scharen aus den Unis treiben wird. So, nun liegt der empirische Beweis dafür vor: Es ist beides falsch.

    Erstens steigen die Studentenzahlen und, das ist noch wichtiger, seit 1982 (!) gibt es TROTZ der Einführung von Gebühren ein deutliches Plus bei den Arbeiterkindern.

    Klar, die Studiengebühren kann man nicht monokausal mit Bildungsbeteiligungen in Zusammenhang bringen. Es gibt ganz sicher Abschreckungseffekte durch Gebühren, das hat man vielfach nachgewiesen. Aber: Sie halten sich in Grenzen und können den Zug zum Studium offenbar nicht nachhaltig bremsen.

    Der Blick in die Sozialerhebung zeigt aber noch etwas anderes: Die Kinder aus der Ober- und der oberen Mittelschicht sind immer noch die Gewinner des Wettlaufs um Studienplätze. Das hat mit Gebühren nichts zu tun, sondern ist ein altes Leid der Republik, das begann, als es noch keine Campusmaut gab. Wer endlich gerechte und faire Chancen für höhere Bildung haben will, muss also folgendes tun: Endlich den Flaschenhals Abitur für Arbeiterkinder öffnen. „It´s the schools, stupid, not the fees!“, würde Bill Clinton zur Frage der Bildungsbeteiligung sagen.

    Oder, in Pisaverstehers Worten: Das Bildungssystem ist ein großes Schiff. Oben auf dem Sonnendeck liegt eine wohl ausgewählte und begüterte Schicht von Studis herum. Zu ihr gehören rund 60 Prozent der Studierenden. Um diese lässige Truppe herum wuseln ein paar Asta-Fritzen mit Transparenten und fordern: Cocktails Gratis! Mehr Sonnencreme for free! Man will uns das Recht auf Sonnendeck (Bildung) wegnehmen. Die Lazy-Boys-and-Girls juckt das Geplärre nicht – aber sie finden´s ganz nützlich, dass ein paar Idioten mit ehrenwerten Argumenten für ihre billigen Drinks kämpfen.

    Derweil schuften unten im Maschinenraum des Traumschiffs Haupt- und Sonderschüler sowie arme Tröpfe aus dem Übergangssystem, das sie eigentlich nach oben bringen soll. Wenn einer der ölverschmierten Alis und Kevins aber mal nach oben will, dann hält einer der Asta-Fritzen die Tür zu: „Halt“, sagt er, „wir dürfen eine Ungerechtigkeit nicht gegen die andere ausspielen.“ Erst Studiengebühren abschaffen, dann Schulsystem ändern!

    Was sagst du dazu, Annellchen?

    Anne Grabs’ Retourkutsche:

    Richtig, die Kinder aus bildungsnahen Schichten profitieren von geringen bzw. keinen Studiengebühren und das ist unfair, denn deren Eltern könnten es sich locker leisten Geld in die Bildung ihrer Kinder zu pumpen. Aber mal ehrlich, das tun sie doch auch, dafür gibt es doch Elite-Universitäten und Business Schools. Die Oberschicht geht doch nicht an eine normale Universität! Wie das Sonnendeck eines oberen, mittleren oder unteren Mittelschichtstudenten aussieht, können wir uns vielleicht anhand der Lebenshaltungskosten in den deutschen Großstädten wie Köln, München, Berlin ausmalen. Da kommen minimum 600 – 700 EUR pro Monat zusammen. Bildungsdekadenz? Die allgegenwärtige Frage eines Studierenden bleibt „ob es sich rechnet“ – seine Investition in Zeit und Geld.

    Kommen wir zu den „Arbeiterkindern“ – ein Begriff der doch (Bildungs-)Entmündigung impliziert. Bildungsferne Schichten werden durch das Bildungssystem reproduziert. Das fängt im Kindergarten, in der Grundschule, bei Empfehlungen für die Sekundarstufe I, später II an. Grundlegend ist dabei der Habitus, den diese Kinder von ihren Eltern vermittelt bekommen und ob sie mit diesem später im Schulsystem der sozialen Auslese reüssieren können. Selbst wenn sie sich den Habitus der „Elite“ mühevoll aneignen, sind sie den Beurteilungsfehlern von LehrerInnen (Halo-Effekt) ausgesetzt. Einem Kind aus einer Arbeiterfamilie wird in der Regel nicht zugetraut, dass er in höheren Schulen Erfolg haben wird. Letztlich trauen sich diese Kinder den Erfolg durch eine zu geringe Selbstwirksamkeitserwartung selbst auch nicht zu, bewerten sehr gute Noten als Zufall und landen schließlich auf einer Hauptschule. Studiengebühren sind eine „gefühlte Hürde“. Noch viel mehr sind sie DAS Killerargument der Eltern („Geh lieber nicht studieren, das kostet uns nur Geld“). Dieses Argument wird dem eigentlichen Problem, des zu geringen Vertrauens in das eigene Können und Wissen, vorangestellt.
    Der Staat, wenn er sich doch Bildung auf die Fahnen schreibt, ist dazu verpflichtet diesen Menschen (kostenlose) Bildung zur Verfügung zu stellen. Denn für diese Kinder und Jugendlichen ist das Scheitern an der Normalbiografie (auch wenn es diese heute kaum mehr gibt) vorprogrammiert. Gleichzeitig müssen soziale Selektionseffekte in Bildungsinsitutionen thematisiert und kritisiert werden. Warum erheben wir eigentlich kein „affektives PISA“ und betrachten die soziale Kompetenz, die soft skills der SchülerInnen, sondern immer nur ein kognitives PISA? „Um zu wissen, was dabei rum kommt“ – es dreht sich immer um die Frage der Verwertbarkeit von Wissen, der Verwertbarkeit von Bildung. So kommen wir zur Frage der Ökonomisierung von Bildung, die wir meines Erachtens zu wenig auf dem Panel besprochen haben. „Wie wäre es gebildet zu sein?“  – diese Frage gilt es sich vorab zu stellen und dank Peter Bieri wissen wir schon die Antwort. In seiner Festrede unter dem gleichnamigen Titel nennt er die wichtigsten Parameter, die Bildung im eigentlichen Sinne ausmachen und schafft damit ein wunderbare Abgrenzung zu Erziehung, Qualifizierung und Bildung. Er beschreibt: Bildung als Weltorientierung, als Aufklärung, als historisches Bewusstsein, als Artikuliertheit, als Selbsterkenntnis, als Selbstbestimmung, als moralische Sensibilität, als poetische Erfahrung und Leidenschaftliche Bildung. Jeder, der diesen Text liest UND gebildet ist, wird ihn uneingeschränkt unterschreiben. Was für eine Anmaßung ist es also, wenn wir Bildung nur bestimmten Schichten und Klassen zu Gute kommen lassen?
    Hinzu kommt, dass sich durch die Ökonomierung von Bildung – das Verwertbarkeitsparadigma von Bildung – die Universitäten nur noch als intellektuelle Controllingagenturen etablieren. Wissenschaft und Forschung geschehen im öffentlichen Interesse. Die Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre ist gemäß Art. 5 Abs. 3 des Grundgesetzes (GG) als Grundrecht geschützt. Bologna hat nun dazu geführt, dass Universitäten nicht mehr als Forschungseinrichtungen, sondern als Qualifizierungsapparat für die Wirtschaft fungieren. „Die zwei Hauptmechanismen, über die das in den Universitäten vorhandene und entwickelte Wissen direkt in die Wirtschaft fließen kann, sind das Lizensieren von intellektuellem Eigentum der Universitäten…“ – so die Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2003 in Brüssel. Wenn dem so ist, warum zahlen dann nicht die Unternehmen für die Wissensproduktion (nein Bildung kann das freilich nicht genannt werden)? Ja, warum soll der Staat dafür bezahlen oder warum sollten es die Studierenden tun? Was als Humankapital oder Humanressource in Unternehmen gehandelt wird, soll auch von Unternehmen bezahlt werden. Wenn sich Bildung in diese Richtung bewegt, dann sind Studiengebühren nicht nur für den einzelnen selbst, sondern ebenso nicht für den Staat, gerechtfertigt.

    Herr Füller, Ihre Meinung bitte! (In Kleinbuchstaben, aber nicht kleinlaut)

    liebe anne,

    dein beitrag ist eoloquent wie gewohnt. aber er enthält genau jenes stück an wirklichkeitsverweigerung, das man von studis gewohnt ist. sie wollen einfach nicht zur kenntnis nehmen, wie die soziologie der uni heute aussieht: es sind genau die schönen und reichen, welche die uni ganz überwiegend bevölkern.

    du schreibst:

    „Aber mal ehrlich, das tun sie doch auch, dafür gibt es doch Elite-Universitäten und Business Schools. Die Oberschicht geht doch nicht an eine normale Universität!“

    ja, und genau das ist falsch. sieh dich bitte mal in der neuesten sozialerhebung des studentenwerks um. dort steht auf seite 129 was über die soziale zusammensetzung der studierenden in d:

    36 prozent stammen aus der hohen sozialen herkunft, 23 prozent aus der höheren. d.h. fast zwei drittel der studis stammen aus einer elternschaft mit hochschulabschluss, sie sind die kinder der höheren beamtenschaft, von selbständigen und abteilungsleiterInnen etc.

    ich meine: das sollte man mal zur kenntnis nehmen.

    im vergleich dazu: nur 15 prozent der studenten hat eltern ohne hochschulabschluss, die ungelernt sind, die als facharbeiter oder angestellte mit ausführender tätigkeit sind.

    es gibt also viermal so viele studis aus bevorzugten elternhäusern als aus der unteren sozialen herkunftsgruppe. an staatlichen unis (andere gibt es ohnehin kaum.)

    also: stopp mit der pflege von vorurteilen! studien lesen! politisch endlich für die entrechteten eintreten – und nicht für die elitäre privilegiengruppe.

    Die Diskussion scheint längst nicht abgeschlossen. Also: Steigt ein ins argumentative Studiengebühren-Ping-Pong!

    Ring frei für alle!

     
    • Till Westermayer 21:33 am 28. April 2010 Permalink | Antworten

      Ach, mit dem Füller diskutieren lohnt doch eh nicht ;-)

    • Anne Grabs 23:48 am 28. April 2010 Permalink | Antworten

      Um auf die Frage der Studiengebühren zurückzukommen. Für mittlere bis höhere soziale Schichten stellen die Studiengebühren KEINE Hürde dar, für Personen aus bildungsfernen Schichten schon.
      Mit Studiengebühren würde unnötig eine Mauer hochgezogen werden, welche die Habitushürde der Betroffenen noch verstärkt. Das ist das eigentlich unfaire an Studiengebühren. 1% Steigerung an studierenden „Arbeiterkindern“ würde ich nicht überbewerten. Es gibt genügend Eltern, die (schon nach amerikanischer Tradition „have to save for college“) sich von Bildung „ein besseres Dasein“ für ihre Kinder erhoffen und dafür sparen. Diese Rechnung geht heute aber nicht mehr so auf. Nach dem Prinzip „wer hat, dem wird gegeben“ werden die besten Plätze verteilt. Der Rest landet bei der „Reproduktion von Dummheit“ wie Mehan oder Ribolits es nennen würden und was du ja auch bestätigst (Hauptschüler, Sonderschüler usw.) Wenn wir eine verantwortliche und gebildete Gesellschaft wollen, müssen wir die Bildung ALLER forcieren (oder für bildungsferne Schichten einen wirklichen einfachen Zugänge zum höheren Bildungsweg schaffen). Den Begriff der Chancengleichheit gilt es indes unter die Lupe zu nehmen und Klartext zu reden. Chancen bedeuten per se Ungleichheit, da die Chancen nur für wenige gegeben, „die Siegerplätze begrenzt sind“ (Heydorn). Die Reproduktionsstrategie funktioniert deshalb im Bildungswesen so gut, weil sie an „Leistung“ geknüpft ist und unterstellt wird, dass jeder, der nur tüchtig genug ist, auch sein Ziel erreichen kann. Mit dieser Ideologie gilt es zu brechen.

      • cif 10:08 am 29. April 2010 Permalink | Antworten

        nur kommen die unteren sozialen herkunftsgruppen ja nicht einmal bis ans tor der uni. d.h. wir müssen 1. dafür sorgen, dass sie das schaffen (=schulreform), wir müssen 2. gebüphren erheben (gemäß übrigens des marxschen diktums, dass gebühren nötig sind, solange nur eine kleine bürgerkinderschar auf die unis geht; habt ihr euren marx etwas nicht gelesen???) und 3. müssen wir klarstellen: wer bafög bekommt, zahlt nicht. einfach, effizient, fair.

        und dann kommt man auch nicht in den geruch, dass grüne-linke-sozis schicht und ergreifende die privilegien der künftigen landgerichtspräsidenten schützen – und ihre karriere mit billigen „gebühren-weg-forderungen“ forcieren.

        aber ich gebe zu: dazu muss man bisschen abstand von seine bezugsgruppen nehmen – und soziale wirklichkeit an den hochschulen studieren. is not easy!

    • mosworld 10:30 am 29. April 2010 Permalink | Antworten

      Eine Grundsatz Diskussion über Studiengebühren finde ich jetzt zuspät. Die Energie die da reingesteckt wir momentan ist wo anders viel besser aufgehoben. Aus meiner Erfahrung hier an der RWTH Aachen kann ich sagen, die Studiengebühren haben einige positive Effekte für die Studierenden gehabt. Das sagen mir auch sehr viele Freunde und andere Bekannte, dass grade die Lehre und die Studienbedingungen besser geworden sind. Klar, wenn die selbe Menge Geld wo anders als Studiengebühren her kommen würde wäre super, aber kommt nicht. Eine Abschaffung hätte also hier in Aachen also keine positive Auswirkungen.
      Viel schlimmer finde ich die soziale Ausgrenzung im Studium. Nehmen wir eine Studentin die den vollen Satz Bafög bekommt. Sie möchte Yoga und Pilates machen in diesem Semester zur Entspannung vom Studium das kostet Sie 35+45= 80€ beim Hochschulsport Angebot der RWTH. Sie möchte auch gerne am TANDEM Angebot der RWTH teilnehmen, damit sie lernt wie sie besser als Frau Karriere machen kann, dieses Kostet sie 50€. Sie muss noch jedes Semester ca. 195€ Studienbeitrag/Ticket zahlen. Das macht ca. 320€ im Semester was heißt, dass sie ein Monat im Semester nichts Ausgeben darf für essen usw. Denn mit Mitte + Fix kosten +320 ist der volle Bafög Satz ausgeschöpft. Das ist soziale Ausgrenzung und ein Grund wieso Studierende die soziale Aufsteiger sind eher neben dem Studium arbeiten müssen, welches wiederum eine Auswirkung auf Studienerfolg hat. So ist der weniger belastete, wieder ein Stück vorne im Leben. Na ja, dass zieht sich noch weit ins Leben nach dem Studium hinein mit Darlehensrückzahlungen usw.
      Sonst kann ich mich was Reproduktionstrategie angeht Anne anschließen. Ich nehme an das Studiengebühren eine Auswirkung haben auf Entscheidung für das Studium oder da gegen, aber dieses spielt so eine kleine Rolle gegen über so viele anderen Problemen. Die Kinder aus bildungsfernen Schichten brauchen diese Aufmerksamkeit an anderer Stelle.

  • cspannagel 23:45 am 31. March 2010 Permalink | Antworten
    Tags: phhd, mediendidaktik, medienpädagogik, medienbildung, elearning, ifdi   

    Masterstudiengang E-Learning und Medienbildung 

    An der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gibt es einen neuen Studiengang: den Masterstudiengang E-Learning und Medienbildung. Studienziele sind unter anderem, dass Studierende audiovisuelle Bildungsmedien produzieren und E-Learning-Umgebungen gestalten können mit dem Ziel, mediengestützte Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Institutionen durchführen zu können. Die Studienbereiche sind vielfältig: Mediendidaktik, Medienpädagogik, Medienforschung, Medienanalyse, Medienästhetik, Mediengeschichte und Mediengestaltung. Man sieht: Der Studiengang macht seinem Namen alle Ehre! In jedem Jahrgang werden übrigens 25 Vollzeit-Studierende und 10 Teilzeit-Studierende aufgenommen.

    Ich werde auch versuchen, mich zukünftig in diesem Studiengang einzubringen, evtl. sogar mit Bildungsreporter-Projekten (mal sehen, ob sich hier Anknüpfungspunkte finden lassen).

    Demnächst wird es einen Begehungstag für den Studiengang geben, an dem ich leider nicht teilnehmen kann. Daher habe ich ein kurzes Videostatement verfasst:

    Zur Website  des Studiengangs

     
    • ixsi 08:19 am 1. April 2010 Permalink | Antworten

      Klingt nett. Noch besser wäre es, diesen Studiengang online anzubieten, ähnlich wie an der Fernuni Hagen. Denn damit könnte man das E-Learning doch richtig ausprobieren.

    • lutzland 09:31 am 1. April 2010 Permalink | Antworten

      Klingt überzeugend.

  • otacke 15:39 am 26. March 2010 Permalink | Antworten
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    Das Loch in der Wand 

    Die Sonne brennt unerbittlich und heizt die Luft an manchen Tagen auf über 45°C auf, in einem Slum irgendwo in Indien. Dort lebt fast ein Drittel der Einwohner der Millionenstädte in solchen Elendsvierteln. Zwar gibt es in Indien eine allgemeine Schulpflicht, und gerade höheren Bildungseinrichtungen haben in der Politik einen hohen Stellenwert, viele Schüler erhalten aber nur eine kümmerliche Grundbildung. In den Slums oft nicht einmal das. Computer, das Internet und alles was dazugehört – für viele schlicht nicht greifbar: „Everywhere on Earth, there are places where, for various reasons, good teachers do not want to, or cannot, go…“ Was also tun? Man stelle sich nun vor, man platzierte einfach mitten an einem solchen Ort einen Computer mit Internetzugang; geschützt vor Wind, Wetter und Vandalismus. Was würde passieren?

    Diese Frage stellte sich 1999 Sugata Mitra und startete exakt ein solches Experiment in Neu Delhi und filmte das Geschehen mit einer versteckten Kamera. Das Ergebnis war verblüffend: Spielerisch und ohne Anleitung lernten die Kinder des Slums, wie man den Computer zum malen, schreiben, usw. benutzt und wie man online geht – alles, ohne Englisch zu beherrschen, doch das lernten sie extra für diesen Zweck. Und ihre Erkenntnisse brachten sie wiederum anderen Kindern bei. Es folgten weitere, unterschiedliche Experimente an anderen Orten, immer mit demselben Ergebnis: Auch ohne direkte Anleitung durch einen Lehrer, kann eine Neugier stimulierende Umgebung dafür sorgen, dass durch Selbstunterricht und Austausch mit Gleichrangigen gelernt wird.

    Das Projekt heißt „Hole in the Wall“ und inspirierte übrigens Vikas Swarup zu seinem Buch „Rupien! Rupien!“, besser bekannt unter dem Titel der Verfilmung: „Slumdog Millionaire“ Nähere Informationen gibt es unter http://www.hole-in-the-wall.com.

     
  • otacke 11:21 am 25. March 2010 Permalink | Antworten
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    European Innovative Education Forum Tag 2 – Workshops 

    Am zweiten Tag des Innovative Education Forum konnte ich zeitlich leider nur den Workshop-Teil unterbringen. Man hatte dreimal die Qual der Wahl aus fünf zeitgleich stattfindenden Sessions, wobei einige mehrfach angeboten wurden. Mein Los fiel auf „Using computer games to unlock learning“, „Teachtoday“ und „Bring your class online with Live@edu“.

    Vortrag Nummer Eins wurde von Ollie @ollibray Bray gehalten, einem nationalen Berater für „Lernen und Zukunftstechnik“ bei Learning and Teaching Scotland, einer staatlich beauftragten Agentur. Und, wow, er konnte schneller reden als Eddie Murphy, aber zum Glück verständlicher :-)
    Viele denken zunächst, der Einsatz von Computerspielen im Unterricht sei lächerlich. Herr Bray vertritt aber die These, dass sie auch solchen Stoff interessant machen können, der wichtig ist – aber langweilig. Es komme aber immer darauf an, geeignete Software einzusetzen. Spezielle Lernsoftware sei meist ebenso langweilig und man solle lieber phantasievolle Ideen entwickeln, wie man „Commercially Available Off The Shelf Software“ einsetzen könne und damit den Einstieg in eine Thematik schafft. Als Beispiel präsentierte er ein Projekt, bei dem Guitar Hero den Anstoß für verschiedene weitere Aktionen gab: die Analyse eines Spielfigurcharakters (Warum müssen Charakterisierungen sich immer nur auf Bücher beziehen?), das Entwerfen und tatsächliche Bauen von Gitarren, die Gestaltung eines Videos… Sehr wichtig sei es für Schüler ferner, Inhalte nicht nur zu konsumieren, sondern auch selbst zu erstellen. Dazu könne man beispielsweise das kostenlose Kodu einsetzen, das ähnlich wie „Little Big Planet“ funktioniere, aber das komplette Gestalten einer Welt von Grund auf zulasse.
    Spiele im Unterricht seien kein Allheilmittel und sollten natürlich nicht ausschließlich verwendet werden, es komme immer auf einen guten Mix an. Gut eingesetzt, können sie aber sehr motivierend sein – das folgende Video (von Consolarium) soll hier exemplarisch zeigen, wie jemand freiwillig immer und immer wieder Matheaufgaben rechnet:

    Die Unterlagen zum Vortrag können auf seiner Website http://olliebray.com heruntergeladen werden.

    Vortrag Nummer Zwei behandelte das Lehrerportal „Teachtoday„, das von Elke Lehmann and Thomas Schmidt (Helliwood media & education) vorgestellt wurde. Das Entwickeln von Medienkompetenz sei heutzutage extrem wichtig, und Lehrer sollten Schüler diese nahebringen können: Zwar würden Jüngere wie selbstverständlich ein Telefon in die Hand nehmen und sich selbst die Bedienung beibringen, das mache sie aber noch nicht zu Digital Natives.
    Das Portal will Lehrer in ihrer Arbeit unterstützen, indem es zahlreiche Informationen und Arbeitsmaterial anbietet. Es spricht insbesondere die „Rückseite der Medaille“ an, denn obgleich im Internet ein großes Potenzial schlummert, gibt es auch dunkle Ecken. Ein Thema, das auf Teachtoday behandelt wird, ist beispielsweise das Cybermobbing. Das ist in seiner Version im echten Leben altbekannt, findet im Internet aber 24 Stunden am Tag statt, läuft anonym ab und kennt keine räumlichen Grenzen. Weitere Themen sind Datenschutz oder auch der sichere Umgang in Chats.
    Das Portal ist sicher gerade für Lehrer jüngerer Schüler den ein oder anderen Blick wert – nicht nur in Deutschland, da es in verschiedenen Sprachen angeboten wird.

    Der dritte von mir besichte Vortrag war „Bring your class online with Live@edu“. Das Angebot basiert auf Window Live, einer Sammlung von verschiedenen Online-Diensten; dazu zählen derzeit unter anderem Chats (Messenger), Mail, eine virtuelle Festplatte in der „Cloud“ (Sky Drive), eine Anwendung zum Austauschen von Fotos, … Live@edu ist ein Programm, in dessen Rahmen Schüler und Studenten kostenlos einige Funktionen zusätzlich erhalten, zum Beispiel die Onlinezusammenarbeit an Dokumenten durch Office Live Workspace. Alle Funktionen hier ausführlich vorzustellen, würde diesen Blog-Beitrag seeehr lang machen. Interessierte sollten einen Blick auf die zugehörige Website werfen.

    Insgesamt war das Innovative Education Forum eine klasse Veranstaltung, allerdings war es für mich als Freund von BarCamps ein wenig eintönig. Zwar gab es außerhalb der Vorträge Möglichkeit zum Austausch mit anderen, aber der Rest waren halt genau das: Vorträge. Zumindest mir gefallen offenere, dialogischere Sessions wesentlich besser – aber vielleicht nimmt Microsoft ja das nächste mal einen Track mit offenen Sessions ins Programm oder feilt ein wenig an der Einbindung der Teilnehmer? Was das Thema „Marketing“ angeht: Ja, es wurde häufiger mal hervorgehoben, wo Microsoft mitmischt und verständlicherweise standen auch die Produkte der Firma im Mittelpunkt (insbesondere in speziell dafür ausgelegten Sessions). Das ganze war allerdings nicht übertrieben und nach meinem Empfinden auch gerechtfertigt. Unter dem Radar sprach Ollie Bray dafür auch mal vom Nintendo DS und der Nintendo Wii – und warf zwischendurch einen verstohlenen Blick auf sein iPhone :-)

     
  • otacke 23:54 am 23. March 2010 Permalink | Antworten
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    European Innovative Education Forum Tag 1 – Lauter Überraschungen 

    Vor knapp zwei Wochen wurde ich überraschend zum siebten European Innovative Education Forum eingeladen, das von Microsoft ausgerichtet wird. Heute früh habe ich mich auf den Weg nach Berlin gemacht, wo ich dem ersten von insgesamt drei Tagen beiwohnte. Auf dem Programm standen neben einleitenden Worten zwei „Keynotes“ und eine internationale Ausstellung.

    Innovative Education Forum: Anthony Salcito

    Innovative Education Forum: Anthony Salcito

    Den Anfang machte Anthony Salcito (Vice President, Worldwide Education, Microsoft Corporation). In seiner Eingangsrede betonte er, dass die heute geknüpften Kontakte sicher das Wertvollste sein würden, was die Teilnehmer aus dem Forum mitnehmen würden. Er betonte mehrfach, dass viele Lehrer hart Arbeit und Leidenschaft in ihren Beruf einbringen und Unterstützung verdienen. In eine ähnliche Kerbe schlugen danach Cornelia Pieper (Staatsministerin im Auswärtigen Amt) und Claudia Zinke (Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie): Medienkompetenz sei wichtig für das Fortkommen in Europa, Wissen die kritische Ressource, usw. Was Politiker halt zu solchen Anlässen sagen.

    Es folgte der Höhepunkt des Tages, zumindest empfand ich es persönlich so: Sugata Mitra (Professor für Technik in der Bildung) präsentierte die Ergebnisse seiner Forschung, des „Lochs in der Wand“ („Hole in the Wall“). Diesem Teil werde ich noch einen eigenen, umfassenden Blog-Eintrag widmen, weil es so interessant war.

    Im Anschluss, die nächste Überraschung, durfte ich mit Anthony Salcito (siehe oben) und James Bernard (Worldwide Director, Partners in Learning) ein kurzes Gespräch führen – offenbar nimmt Microsoft Blogger auch als Presse wahr. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich dem gefallenen Begriff „influential blogger“ gerecht werde, aber ich fühlte mich geehrt. Also erst einmal „holterdipolter“ in die Pressekonferenz: Ich hatte das falsch verstanden und dachte, die sei nicht nur für mich. Statt mich gleich vorzustellen, hatte ich mich erst einmal hingesetzt und abgewartet – hoffe, das nahm mir niemand übel. Die nächste brachiale Aktion habe ich dann wenigstens angekündigt: Deutsche gelten ja als sehr direkt, und ich fragte gleich, warum Microsoft sich im Bereich Bildung engagiere. Was hätte ein Unternehmen davon? Herr Salcito antwortete, gute Bildung sei ein Grundrecht und Technik könne ein wertvolles Werkzeug dafür sein, setze aber auch Lehrer voraus, die es einzusetzen wissen – die Technik müsse einfach zu bedienen sein. Er sagte aber auch ganz offen, dass Microsoft gerade als Softwarehaus natürlich auf gut ausgebildete, kreative Leute angewiesen sei und daher ein Interesse daran habe, auf sich aufmerksam zu machen. Beide meine Interviewpartner sehen es als notwendig an, sowohl bottom-up durch engagierte und motivierte Lehrer das digitale Lernen voran zu bringen und zu verbreiten, als auch top-down durch die oberen Führungsebenen zu ermöglichen und zu unterstützen.

    Jeremy Gittens (Senior Director Startup Business Group), selbst ehemaliger Lehrer, zeigte mir dann kurz den MultiPoint Server. Die Software ermöglicht es, an einen (etwas schnelleren aber handelsüblichen) Rechner mehrere Monitore und Eingabegeräte anzuschließen, die alle eine eigene Arbeitsumgebung darstellen – quasi eine Thin-Client-Architektur ohne eigentliche Clients. Für die gängigen Büroanwendungen wie Textverarbeitung oder ähnliche Programme kann man so kostengünstig viele Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Microsoft möchte hier eine einfach zu bedienende Infrastruktur bereitstellen, auf die andere Anbieter eigene Lernmanagementlösungen aufsetzen können. Eine feine Sache eigentlich.

    Innovative Education Forum: Stände

    Innovative Education Forum: Stände

    Nun gab es zahlreiche Stände zu besuchen, an denen Schulen aus ganz Europa vorführten, wie sie IT in der Lehre einsetzen. Leider war gar nicht genug Zeit, um sich alles anzusehen, daher hier nur kurze Beispiele: Eine Schule aus der Slowakei zeigte mit „People who I like“, wie man Computer auf sehr unterschiedliche Weise einsetzen kann, um Schülern soziales Verhalten näher zu bringen; in der Schweiz lässt man Foto-Geschichten entwerfen, in denen Computer- und Internetsicherheit thematisiert wird, … Die Vielfältigkeit hat mich überrascht; ich bin gespannt, welche Aktion von der Jury zur besten gekürt wird.

    Den Abschluss des Tages bildete dann der Vortrag „Learning from the Students – The Social Web in an Educational Perspective“ von Leonie @bildungsluecke Schlick und Florian @floriansemle Semle. Grundtenor war, dass möglicherweise die Art zu unterrichten überholt sei, dass man von einer Lehrerzentrierung hin zu einer Schülerzentrierung kommen müsse und „Web 2.0 is an interactive way to share and to obtain information when it is currently needed.“ Die zweite Hälfte befasste sich mit einer Studie, welche Art der Hilfestellung Lehrer im Netz häufig suchen und in welchen Web-2.0-Plattformen sie möglicherweise fündig werden. Für EduCamp-gestählte sicher wenig Neues, aber dennoch interessant.

    Insgesamt ein hervorragend organisiertes Ereignis. Bin gespannt, wie fokussiert auf Microsoft-Produkte die morgigen Workshops werden. Das könnte man einem wirtschaftenden Unternehmen natürlich nicht übel nehmen, trübte aber doch das Gesamtbild ein wenig.

     
  • otacke 20:05 am 12. March 2010 Permalink | Antworten
    Tags: , , video   

    EduCamp 2010 – in a nutshell 

    Besser spät als nie: Ein kurzer Zusammenschnitt mit Impressionen vom EduCamp 2010 in Hamburg.

     
    • Alexander Perl 22:50 am 14. März 2010 Permalink | Antworten

      Sehr cool. Der Zusammenschnitt hat die Stimnung des EduCamps in Hamburg, jedenfalls aus meiner Sicht, super eingefangen! Fast als wäre man gestern dagewesen!

    • LB 03:22 am 21. März 2010 Permalink | Antworten

      „Nur sechs Prozent für Bildung: Harsche Kritik äußerte Köhler an der Bildungspolitik der Regierung: Fast ein Drittel der gesamtwirtschaftlichen Leistung würden für staatliche Sozialleistungen augewendet, aber nur gut sechs Prozent für Bildung. „Angesichts dieser Relation müssen wir uns eigentlich vor unseren Kindern schämen. Dazu toben in der Bildungspolitik parteipolitisch gefärbte Kämpfe um Schulstrukturen, die keinem Lehrer und keinem Kind helfen“, betonte er.“ – (Quelle: Tagesschau.de)

      • Lars-Michael Lehmann 16:53 am 1. April 2010 Permalink | Antworten

        @LB Korrekt! Köhler hat mit seiner harschen Kritik sehr wohl recht!

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